Geschichte und Chronik

100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Raitenhart
Gründungsfest am 5. Juni 2005

Vier Tage lang hat die Feuerwehr Raitenhart ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Am Sonntag ging es besonders hoch her. Zu der Jubiläumsfeier gaben sich sämtliche Ortsvereine die Ehre. Alle Feuerwehren aus dem Landkreis kamen mit ihren Fahnenabordnungen, insgesamt waren es 1800 Teilnehmer. Auch an Honorigkeiten aus Politik und Wirtschaft fehlte es nicht.

Die Raitenharter hatten das Glück der Tüchtigen: Am Samstag noch regnete es und der Wetterbericht sagte „wechselhaft“ an. Am Sonntag aber blieb es trocken. Den Festgottesdienst zelebrierte Stadtpfarrer Günter Mandl. In seiner Predigt sagte er, Feuerwehr sei Dienst zum Wohle der Allgemeinheit. Dann segnete er die restaurierte Fahne von der Gründung der Raitenharter Feuerwehr und die Festbänder, die Fahnenmutter Gitti Gehringer, Patenbraut Raitenhart Sylvia Brunnhuber, Patenbraut vom Patenverein Teising Katharina Linderer und Trauermutter Monika Walschwinkler an die Fahne hängten.

Schirmherr Herbert Hofauer ging in seinem Grußwort auf die Entwicklung der Feuerwehr ein und sagte, die Feuerwehr sei ein verlässlicher und unverzichtbarer Partner. Zudem präge sie in Raitenhart die Kultur des Dorfes. Landrat Erwin Schneider übermittelte Grüße vom Landkreis und würdigte die Jugendarbeit der Wehr. Auch MdB Stephan Mayer und Kreisbrandrat Werner Huber gratulierten.

Das Fest war perfekt getimt und funktionierte mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks. Die Raitenharter Feuerwehr hatte den Event mit einem „Generalstab“ organisiert. Diesen Festausschuss gehörten 13 Feuerwehrler an, die alle Einzelheiten der Veranstaltung minutiös planten und steuerten. Kommandant Max Holzmann bedankte sich ausdrücklich für diese Teamarbeit.

Einen Tag vorher stand Holzmann, seit 1996 Kommandant der 49-köpfigen Truppe beim Festabend selbst im Mittelpunkt. „Er ist der wahre Motor der Raitenharter Feuerwehr. Deshalb ernennen wir ihn dank seiner besonderen Verdienste zum Oberlöschmeister“, sagte Bürgermeister Hofauer in seiner Laudatio. Dem Geehrten – dem ersten Oberlöschmeister der Raitenharter Wehr überhaupt- stand die Freude ins Gesicht geschrieben: „ Das ist wirklich eine Überraschung und eine sehr schöne Sache.“

Noch eine Reihe weiterer Ehrungen standen auf dem Programm: Benno Kirchmaier-Gilg und Norbert Eppner erhielten die Ehrennadel der Jugendfeuerwehr des Landkreises Altötting aus der Hand von Kreisjugendwart Werner Laumann. Die Beiden leiten die immerhin zwölf Jugendliche starke Nachwuchsmannschaft der Wehr. Kommandant Holzmann würdigte ihre Leistung als „gewaltig“.

Für 25-jähriges Wirken als aktive Feuerwehrmänner wurden ausgezeichnet: Konrad Weindl, Johann Putz, Adalbert Gehringer, Hermann Helfensdörfer, Johann Kirchisner und Benno Kirchmaier-Gilg. Kreisbrandrat Werner Huber überreichte ihnen das Ehrenzeichen des Freistaates Bayern in Silber.

Für Stimmung sorgten beim Heimatabend die Pleiskirchner Musikanten mit flotter Musik. Als Höhepunkt führten die Tüßlinger „Huadara“ die vielen Festzeltbesucher zu zahlreichen Lachsalven.

Vor dem Heimatabend wurden noch das neue Feuerwehrhaus und die neue Spritze durch Stadtpfarrer Günter Mandl gesegnet. „Die Spritze kostete 9800 Euro. Davon haben die Feuerwehr 2000 Euro und die Stadt 5100 Euro übernommen. Der Rest war Zuschuss. Die Erweiterung des Feuerwehrhauses kostete 160 000 Euro. Die Stadt übernahm 95 000 Euro, die Feuerwehr 5000 Euro. Der Rest war Eigenleistung“, erklärte Vorstand Strasser.

Begonnen hatte das Fest bereits am Donnerstag mit dem Kabarett „Zwoaraloa Leit“ von „Sepp Hager & Freunde“. Ein großer Erfolg war auch die Löschparty Freitagnacht: 1000 junge Gäste feierten.

Aus der Chronik der Feuerwehr Raitenhart*

Dass es früher große Brände gegeben hat und dass dabei mehrere Häuser und sogar ganze Ortschaften abgebrannt sind, wie z. B. unsere Nachbarstadt Neuötting 1797, in der während eines 12 Tage dauernden Großbrandes vier Fünftel der Stadt ein Raub der Flammen wurde, ist hinreichend bekannt. Manche der damals noch hölzernen Handfeuerspritzen fing dabei während des Einsatzes sogar selbst Feuer und verbrannte. Nicht selten kam auch so mancher mutige Feuerwehrmann dabei ums Leben.

Von den politischen Gemeinden in Oberbayern bestanden im Jahre 1900 noch 165 ohne freiwillige Feuerwehren. Auf die gesamten rechtsrheinischen Landsteile des Königreiches Bayern verteilt, besaßen am 1. Januar 1900 von den insgesamt 7192 politischen Gemeinden 2758 nur rein freiwillige Feuerwehren. 3700 freiwillige und Pflichtfeuerwehren. 802 nur Pflichtfeuerwehren und 32 Gemeinden waren noch ganz ohne jedes organisierte Löschwesen.

Wie es in der Pfarrei Unterholzhausen war, schildert uns Stadtpfarrer Frz. Xav. Leeb von Neuötting 1912 in einer Geschichte der uralten Pfarrei Unterholzhausen. Er schrieb, das 1874 tot gesagte Holzhausen lebt wieder auf und damit auch das Feuerlöschwesen.

Unterholzhausen hatte 69 Jahre keinen Pfarrer mehr. Als der alte Pfarrer von Perach, Max Bogner (von Breitenberg stammend) im Oktober 1872 freiwillig seine Pfarrei resignierte, um sich einen ruhigen Lebensabend zu verschaffen und sich um ein passendes Plätzchen umschaute, erfuhren davon die Bauern in Unterholzhausen. Sie verhandelten mit ihm und boten ihm ein passendes Grundstück an. Nicht lange zögernd, kaufte er sich von dem Bauern Ignaz Gründl den nötigen Grund und Boden.

Am 12. Mai 1875 siedelte Bogner nach Unterholzhausen über. Er übergab 1874 bereits an Dekan Grübl in Neuötting 12.500 Gulden zum Pfründevermögen. die Bewohner der Pfarrei Unterholzhausen hatten natürlich eine riesige Freude, wieder einen „Herrn“ in ihrer Mitte zu haben und behandelten ihn so aufmerksam als sie nur konnten. Sie taten es auch nicht umsonst, denn Bogner, ein etwas seltsamer und eigenwilliger Mann, der nicht gern unter die Leute ging, dankte es den Holzhausern durch manche Wohltat. Er schenkte ihnen ein Kapital von 4.000 MK. zum Armenfond und kaufte der Führung des damaligen Bürgermeister Lorenz Detter ein Aufruf zu einer Versammlung im Gasthaus in Oberholzen. Dabei wurde in der Gemeinde Raitenhart die Freiwillige Feuerwehr gegründet.

Als Vorstand wurde per Aclamation Herr Bürgermeister Lorenz Detter Lehnerbauer gewählt, als Kommandant Herr Lehrer Anton Waldschütz in Unterholzhausen. Adjudant wurde Herr Josef Haitzinger und Schriftführer und Kassier Johann Brunnhuber, beide in Unterholzhausen.

Als Zeugwart fungierte Herr Josef Detter, Bauerssohn von Raitenhart. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr freiwillige Männer dazu. Somit war die Freiwillige Feuerwehr Raitenhart, außer in den Kriegsjahren, immer gut vertreten.

Am Pfingstmontag, den 9. Juni 1930 war ein großer Ehrentag der Freiwilligen Feuerwehr in Raitenhart. Unser Bild zeigt das 25jährige Gründungsfest mit Fahnenweihe.

Die größeren Brände waren: (siehe Bild)

Im Jahre 1884 ist das Anwesen Wasserwimm abgebrannt.

1893 brach ein Brand beim Blümlhuber aus.

Am 17.9. 1927 beim Anwesen Eisenburner.

14. März 1930, 22 Uhr, beim anwesen Glatz Lorenz in Unterholzhausen. Am 26. September 1931, 9 Uhr, brannte der Stadl bei Heinrich Reichenspurner in Kraft, Gde. Raitenhart.

Am 5. April 1956, 16.30 Uhr brach in Aich, Gde. Raitenhart bei Josef Eibelsgruber ein Brand aus.

Um 2 Uhr früh wurde das Anwesen bei Xaver Staudhammer in Staudham ein Opfer der Flammen.

Bei dichtem Nebel brannte es in Wasserwimm am 4. September 1971 beim Bauer Johann Kreuzpointner und der letzte Großbrand war am 3. Jan. 1976, als der alte Landeshof in Schmidhub in Flammen stand.

Ein großes Fest konnte die Freiwillige Feuerwehr am 21. November 1971 bei der Einweihungsfeier des neuen Gerätehauses verzeichnen.

In ihrer langjährigen Geschichte hat sich die Freiwillige Feuerwehr Raitenhart bewährt und hat sich einen guten Namen gemacht.

*Quelle: Festschrift des 75järigen Gründungsfestes 1980